Die Erdgas-Falle: Das kann Deutschland besser!

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Wir Deutschen sind weltweit hoch angesehen für unsere Ingenieurskunst. Damit schaffen wir Innovationen, Wohlstand und Arbeitsplätze. Trotzdem sollen hierzulande Milliarden Euro in den Ausbau von Erdgas-Pipelines gesteckt werden. Das ist ungefähr so, als würden die deutschen Autohersteller neuerdings Trabis bauen.

Dabei sind sich die Experten weitgehend einig: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte sich lange für Erdgas ausgesprochen, warnt aber heute vor Investitionsruinen. Der Chef der Europäischen Investitionsbank Werner Hoyer sagt, es sei vorbei mit dem Erdgas. Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock wirft fossile Anlagen aus seinem Portfolio.

Aus guten Gründen: Erdgas ist gegenüber den immer günstiger werdenden erneuerbaren Energien einfach nicht mehr konkurrenzfähig. Stattdessen kosten uns neue Erdgas-Pipelines und andere Anlagen heute Unsummen an Steuergeldern, die unsere Kinder und Enkel morgen als Investitionsruinen besichtigen können.

Aber auch heute schon schießen wir uns mit der überflüssigen Erdgas-Infrastruktur ein sattes Eigentor. Mit den Milliarden Euro – in deutsche Ingenieurskunst investiert – könnte man die Technologien der Zukunft weiterentwickeln, zum Beispiel Speicherlösungen für erneuerbare Energien. Das würde die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen und neue Exportmärkte erschließen.

Mit Erdgas dagegen begeben wir uns in Abhängigkeit. Wir sind auf die Versorgung aus Russland oder den USA angewiesen, für die wir doppelt teuer bezahlen: Erstens überweisen wir Jahr für Jahr enorme Summen ins Ausland. Zweitens verpassen wir Chancen für unsere Wirtschaft. Denn die finanziellen Mittel wären deutlich besser in heimische Zukunftstechnologie investiert.

Hinzu kommt – im Widerspruch zu seinem guten Ruf – die katastrophale Klimabilanz. Erdgas besteht aus Methan, ein noch viel schädlicheres Treibhausgas als CO2. Da sich auch Deutschland wie fast alle Staaten der Welt verpflichtet hat, das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, müssen wir die Nutzung fossiler Rohstoffe reduzieren – anstatt Milliarden Euro in absehbar nutzloser Infrastruktur wie Erdgas-Pipelines zu versenken.

Dabei ist Deutschland doch in vielen Bereichen auf einem guten Weg, Wohlstand und Klimaschutz gleichermaßen voranzubringen. Zum Beispiel legen die deutschen Autohersteller inzwischen richtig los bei Elektro-Antrieben und E-Autos. Das zeigt: Deutschland hat mehr auf dem Kasten, als Geld in unzeitgemäße und klimaschädliche Erdgas-Pipelines zu investieren. Deswegen sollten wir dringend runter vom Erdgas und rein in eine saubere, prosperierende Zukunft.

Und was bedeutet das für uns persönlich? Natürlich kann man zum Beispiel als Mieter in einer Wohnung mit einer Gasetagenheizung nicht einfach aus der Gasversorgung aussteigen. Aber wir können trotzdem persönlich dazu beitragen, dass wir die Weichen für die Zukunft mit erneuerbaren Energie stellen. Denn darüber entscheiden wir mit an der Wahlurne: für uns persönlich wie für unsere Kinder und Enkel.

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Das Märchen vom grünen Wasserstoff

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Die Gaswirtschaft pustet immer wieder dieselbe rosa Wolke durchs Land: Das Zaubermittel der Zukunft heißt "grüner Wasserstoff" – hergestellt aus reinem Wasser und mit erneuerbarer Energie. Leider klingt das Versprechen zu schön, um wahr zu sein.

Durch die milliardenteuren Erdgas-Pipelines könnte also bald schon umweltfreundlicher Wasserstoff fließen, heißt es. Hunderte Kilometer neuer Leitungen sind geplant. Sogar manche Eigenheimbesitzer im Land könnten sich freuen. Ihre Erdgasheizungen würden in Zukunft mit klimaneutralem Wasserstoff befeuert.

Doch man muss weder Ingenieur, noch Chemikerin sein, um das zu bezweifeln. Ein bisschen gesunder Alltagsverstand reicht völlig aus. Schließlich werden zur Herstellung von grünem Wasserstoff ungeheure Mengen an Energie benötigt. Außerdem geht allein bei der Umwandlung von Strom zu Wasserstoff rund ein Drittel der Energie verloren. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, um zu fragen: Wo soll denn diese ganze Energie herkommen?

Deutschland hängt ja heute schon seinen Zielen zum Ausbau der erneuerbaren Energien hinterher. Um damit hierzulande die benötigten Mengen an Wasserstoff zu gewinnen, müsste man die Kapazitäten vervierfachen. Sogar die Bundesregierung räumt ein, dass Deutschland bis 2030 maximal rund 15 Prozent des eigenen Bedarfs an grünem Wasserstoff selbst stemmen könnte. Zudem boomt wünschenswerterweise die Elektromobilität mit ebenfalls stark steigendem Strombedarf.

Also müsste man den energieintensiven Wasserstoff eben importieren. Üblicherweise wird hier Marokko als sprudelnde Quelle erneuerbarer Energien genannt, die auch Deutschland versorgen könnte. Nur erzeugt Marokko absehbar keineswegs die bei uns benötigten Mengen. Der Wüstenstaat verfügt zwar über viel Sonne, aber viel zu wenig Süßwasser zur Herstellung von Wasserstoff. Die Entsalzung von Meerwasser dagegen würde wiederum Unmengen an Energie benötigen, die irgendwo erstmal generiert werden muss.

Trotzdem soll bei uns die Infrastruktur massiv ausgebaut werden. Nach Recherchen von Investigate Europe sind in Deutschland Pipelines und andere Anlagen für fast 14 Milliarden Euro im Bau oder in Planung. Dabei ist jetzt schon absehbar, dass mit unseren Steuergeldern heute die Investitionsruinen von morgen finanziert werden. Durch die neuen Anlagen wird in Zukunft nicht einmal heiße Luft fließen. Denn Wasserstoff in den propagierten Mengen ist eine Illusion und Erdgas ein Klimakiller.

Ein klares Signal gegen solchen klimapolitischen wie auch ökonomischen Irrsinn kam Ende April 2021 aus Karlsruhe. Das Bundesverfassungsgericht hat das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung in Teilen für grundgesetzwidrig erklärt. Das heißt, die Regierung muss nachbessern, Deutschland muss seine Emissionen stärker reduzieren. Unter diesen Umständen kann eigentlich niemand mehr ernsthaft das Märchen vom Wasserstoff als Klimaschutzlösung verbreiten. Denn neue Erdgas-Anlagen und der überwiegend ganz und gar nicht grüne Wasserstoff torpedieren unsere Klimaziele.

(Quelle) Abbildung: Verschiedene Möglichkeiten zur Herstellung von Wasserstoff und die zugehörige Treibhausgasbilanz. Beim türkisen Wasserstoff fallen Treibhausgase bei der Gewinnung und beim Transport von Methan an. Je nach verwendetem Strommix ist die Treibhausbilanz variabel, liegt aber in etwa in der Größenordnung des blauen Wasserstoffs.

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